KOMMENDE AUSSTELLUNG

Rinus Van de Velde. Now I am the night of nights

Eröffnung: 29. Juni 2018
Ausstellung: 30. Juni - 09. September 2018

Großformatige Kohlezeichnungen sind für Rinus Van de Velde (*1983 in Löwen, Belgien) oft das Medium der Wahl. Nicht selten tritt er dabei als Protagonist in seinen Werken auf: ob als künstlerisches Alter Ego oder nach dem Vorbild realer Persönlichkeiten; Van de Velde modelliert Charaktere, die reisen, forschen und suchen – nach dem eigenen Ich, einer neuen Inspiration, aber manchmal auch nur nach der nächsten Tankstelle und einer Schachtel Zigaretten.

Seine Bilder setzen sich, fast wie von selbst, im Kopf zu Erzählungen zusammen. Dafür sorgt nicht allein ihre Ästhetik, die Kameraeinstellungen wie Halbtotale oder Großaufnahme nachempfindet und so an das Storyboard zu einem Kinofilm denken lässt; oder die mit starken Hell-Dunkel-Kontrasten Szenen des Film noir ins Bildgedächtnis ruft. Auch sind seine Zeichnungen ausnahmslos von – mal kürzeren, mal umfassenderen – Texten begleitet, die bisweilen den Eindruck entstehen lassen, als sei man in eine überlebensgroße Graphic Novel eingetaucht. Nahmen seine früheren Werke noch von fotografischen Fundstücken ihren Ausgang, ging er später dazu über, ganze Kulissen in seinem Studio aufzubauen, die seinen Bildern als Schauplätze dienten.

Als Schachspielerlegende Bobby Fischer etwa setzte er sich anstelle des Weltmeisters selbst in Szene. Als Avantgarde-Guru Isaac Weiss wiederum leitete er eine fiktive Künstlerkolonie, der so klingende Namen aus dem Kanon moderner Kunst wie Pablo Picasso, Georgia O’Keeffe und Cy Twombly angehörten und in der die künstlerische Idylle nach und nach in Wahnsinn und Zerstörung umschlug. All das passiert in seinem Antwerpener Studio, mit Kohlestift auf Leinwand und stets einer großen Begeisterung für charismatische und exzentrische Persönlichkeiten sowie künstlerische Vorbilder aus der klassischen Moderne.

Van de Velde versteht seine künstlerische Arbeit als eine einzige, lange Geschichte. Für Erlangen und die Einzelausstellung im Kunstpalais wird er, der bereits international Erfolge feiert und in seiner belgischen Heimat längst ein Star der Kunstszene ist, das nächste Kapitel dieser Geschichte aufschlagen – mit neuen Werken und womöglich auch einer neuen Rolle für sich selbst.

 

Abb.: Seemingly quiet, still half awake,..., 2018, Kohle auf Leinwand, gerahmt, 105 x 200 cm, Courtesy KÖNIG Galerie, Berlin