Sammlung

Arnulf Rainer

* 8. Dezember 1929 in Baden, Österreich; lebt in Wien, Österreich

Werke in der Städtischen Sammlung Erlangen

  • Kreuz, 1977/81

Beschreibung

Vier Kaltnadelradierungen auf Bütten
Maße: blau, rot, schwarz: jeweils 134,5 x 62,5 cm; grün: 130 x 61,7 cm
Signatur, Datierung, Nummerierung: jeweils signiert rechts unten, nummeriert links unten
Exemplar-Nummern: 17/35 bzw. 33/35
Inventar-Nummern: 1002462, 1002463, 1002464 und 1002465

 

In der Form fast identisch, unterscheiden sich die vier Kaltnadelradierungen Arnulf Rainers durch ihre Farben – Schwarz, Blau, Rot und Grün. Jeder Druck ist auf eine einzige Farbe beschränkt. Es handelt sich um vier graphische Darstellungen eines lateinischen Kreuzes, dessen Form der Künstler neben der des T-Kreuzes bevorzugt. In der Regel verfremdet Rainer die Kreuzform in seinen Bildern durch die voluminös wirkende Breite ihrer Balken und die Verkürzung der Querbalken. Das schwarze sowie das grüne Kreuz heben sich durch eine scharfe Kontur in der jeweiligen Farbe vom weißen Hintergrund ab. Die Konturen des blauen und roten Kreuzes hingegen sind im unteren Teil der Darstellung kaum sichtbar.
Die leuchtenden Farben entspringen in expressivem Duktus hauptsächlich den oberen Bereichen der Kreuze und breiten sich von dort unterschiedlich weit über die Fläche aus: Während das schwarze, blaue und rote Kreuz die Farben innerhalb ihrer Form halten, tritt die grüne Farbfläche über die Konturen des Kreuzes und bedeckt somit ein Drittel des Blattes.
In den Werken Arnulf Rainers stößt man häufig auf Kreuzformen. Wie er zu diesem Motiv kam, erklärt er 1983 lakonisch in einem Interview: „Eine andauernde Verlegenheit und geistige Not. Ich finde keine besonderen Motive aus dieser Welt, die mir genügend Impetus geben, um zu arbeiten. Es ist ein Haltegriff für mich. Keine besondere religiöse Berufung treibt mich dazu.“1 In den 50er Jahren nahmen diese Darstellungen ihren Anfang, nachdem Rainer sich mit der Kunstgeschichte und der Theologie des Kreuzes sowie der Mystik beschäftigt hatte. Seitdem sind viele Kreuze in den unterschiedlichsten Formen entstanden: neben den lateinischen und den T-Kreuzen vor allem vielfältige Varianten von Staffelkreuzen. Das griechische Kreuz fand hingegen keine Berücksichtigung im Werk Rainers, da er einen Bezug zur menschlichen Gestalt herstellen wollte. Als Minimalzeichen gewinnt die Kreuzform ihre Bedeutung aber erst in Verbindung mit dem „Fleisch“ der Farben. Zum Schaffensprozeß der Malerei bemerkt Rainer selbst in existentialistischer Sicht eine gewisse Analogie zum Motiv: „das Malen ist eine Art Selbstkreuzigung,“2 als werde man im Dienst einer höheren Sache gleichsam festgenagelt auf eine bildnerische Form.
KATRIN SCHMIDT  

1 Arnulf Rainer zit. nach: Kat. der Ausst. Arnulf Rainer, hrsg. v. Heribert Schulz und Thorsten Eodiek, Hessisches Landesmuseum Darmstadt / Kunsthalle Dominikanerkirche Osnabrück, Osnabrück 1993, S. 45.
2 Arnulf Rainer, zit. nach: Kat. Rainer 1993, S. 56.

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