Sammlung

Emilio Vedova

* 9. August 1919 in Venedig, Italien; † 25. Oktober 2006 in Venedig, Italien

Werke in der Städtischen Sammlung Erlangen

  • nel palmo della mano, 1984/86

Beschreibung

Mappe mit sieben Aquatinta- und Kaltnadelradierungen
Maße: jeweils 59 x 47,5 cm
Signatur, Datierung, Nummerierung: jeweils signiert und datiert links unten, nummeriert rechts unten
Exemplar-Nummer: 13/30
Druck: Atelier Vedova, Venedig
Herausgeber: Maximilian Verlag, München
Text: Johannes Gachnang
Schenkung: Karl Manfred Fischer
Inventar-Nummer: 1003437.1–7
Abbildung: Blatt 6

 

Nel palmo della mano nennt Emilio Vedova1 seine Mappe nicht ohne Hintergedanken: in der Handfläche kann man etwas lesen. Jedes Blatt nimmt ein relativ kleines rechteckiges Bildfeld auf, dessen Größe und Ausrichtung variieren. Wirft man einen ersten Blick auf die sieben Radierungen, so ist das in ihrem dominanten Schwarz verborgene Innenleben leicht zu übersehen. Eine Vielzahl verschlungener weißer Linien ist erst bei genauerer Betrachtung zu erkennen. Um diese zeichnerischen Markierungen oder aber Spuren eines Abdrucks identifizieren zu können, muß man die Blätter aus der Nähe untersuchen. Nur in zarter Notierung wurden die Linien auf der Druckplatte aufgezeichnet und doch erweisen sie sich in der Nahsicht als dynamisches Gebilde oder Gewächs aus geometrisierenden Mustern, Wirbeln, kleinsten Rasterungen und Bogenformen, die sich stellenweise hieroglyphenartig verdichten. Blatt für Blatt betrachtend, gewinnt man den Eindruck, als würden die Netze der weißen Linien in sieben Stufen immer feinere und komplexere Strukturen ausbilden.
Der Titel der Folge legt es nahe, sie auf die Lineatur in der Haut der Hände zu beziehen und dabei in die eigene Handfläche zu schauen, denn auch in ihr läßt sich nur von nahem lesen. Aber die Gebilde oder Gewächse auf Vedovas Blättern sind mehrdeutig, die geometrischen Elemente lassen eher an das mikroskopisch zu sehende Gewebe der Haut denken, die biomorphen eher an das Antlitz der Haut einer einzelnen Hand. Zwischen der Natur, die keine Linien kennt, und der Kunst, für die seit Plinius gilt „nulla dies sine linea“ („kein Tag ohne Linie“) setzt Vedova den Körper, die Haut, die Hand, als Medium ins Bild.
NADINE STÜCK  

1 Kat. der Ausst. Emilio Vedova, hrsg. v. Danilo Eccher, Galleria Civica d’ Arte Contemporanea Trento, Turin 1996.

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