Sammlung

Imi Knoebel

* 31. Dezember 1940 in Dessau; lebt in Düsseldorf

Werke in der Städtischen Sammlung Erlangen

  • Grace Kelly, 1990

Beschreibung

Mappe mit fünf Siebdrucken auf Schoeller-Hammer-Papier
Maße: jeweils 103 x 73 cm
Signatur, Datierung, Nummerierung: signiert (auf Blatt 5) und jeweils nummeriert verso Mitte unten
Exemplar-Nummer: 51/90
Druck: Frank Kicherer, Stuttgart
Herausgeber: Achim Kubinski, Stuttgart/Köln
Verlag: edition e, München
Inventar-Nummer: 1001628.1–5

 

Der Maler und Installationskünstler Imi Knoebel1 konzentriert sich in seinen Werken auf die Wechselwirkung von Farben, die zumeist in Rechteckformen miteinander kombiniert sind. Linie und Form treten in den Hintergrund, während die Farbe zum Träger subtiler Assoziationen wird. Knoebels Anliegen ist es nicht, ein Objekt oberflächlich realistisch darzustellen, sondern dessen inneren Gehalt zu vergegenwärtigen beziehungsweise bei dem Betrachter zu evozieren.
So ist es auch nicht verwunderlich, daß sowohl die 33 Gemälde der Suite Grace Kelly als auch die fünf Drucke gleichen Namens keine äußerlichen Gemeinsamkeiten mit der 1982 bei einem Autounfall verunglückten Schauspielerin und Fürstin von Monaco aufweisen. Ihre feinen Gesichtszüge haben sich in das Gedächtnis eingeprägt als die eines unnahbaren Ideals. Was aber bleibt übrig von ihrer Eleganz, wenn der frische Eindruck in der Erinnerung verblaßt? Für Knoebel bleibt eine Ahnung bestehen, die nicht über Linien und Formen vermittelt wird, sondern über Farben.
Obwohl er Farben in immer gleichen Mustern zusammenfügt, gleicht doch kein Bild dem anderen. Ein großes zentrales Rechteck wird von vier Balken umrahmt, wobei die beiden seitlichen Teile das obere tragen, das untere jedoch einfassen. Jedes der Felder hat eine andere Farbe. In ihren Kombinationen gewinnen sie Leuchtkraft und Eindringlichkeit.
Durch die einfachen Formen kann der Betrachter sich nun allein den Farben und ihrer Wechselwirkung widmen. So scheinen die Grenzen der Felder zu leuchten, wenn das Auge von einem zum anderen gleitet, während das Zentrum durch die Balken an Intensität gewinnt und eher kompakt wirkt. Doch nicht nur die Farben der verschiedenen Segmente kommunizieren miteinander, sondern auch die in strikter Reihenfolge festgelegten Bilder. Sie werden zu Momenten einer Einheit in Bewegung, in Veränderung. Was zuerst wie eine zufällige Kombination von Farben und Tonwerten in identischer Anordnung wirkt, entpuppt sich als durchdachte Komposition.
Wie groß die Übereinstimmung von Knoebels „Emotionsporträts“ und Grace Kellys wahrem Wesen ist, bleibt offen, doch glaubt man, über die Varianten des schönen Scheins in ihr Innerstes zu blicken. Man meint, an ihrer Welt teilhaben zu können – oder war die schöne Fürstin als Wunschbild immer schon ein Teil unserer Welt? In Grace Kelly begegnet jeder auch sich selbst, zumindest jenem Teil, der sich nach Glanz und Anmut sehnt.
VERONIKA BERGER  

1 Carl Haenlein und Carsten Ahrens (Hrsg.), Kat. der Ausst. Imi Knoebel. Pure Freude, Kestner Gesellschaft Hannover 2002.

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