Sammlung

Laurie Simmons

* 1949 in New York City, USA; lebt in New York City, USA

Werke in der Städtischen Sammlung Erlangen

  • Ventriloquism, 1986

Beschreibung

Mappe mit zwei schwarz-weiß Photogravüren und einer Farb-Photolithographie auf Bütten
Maße: jeweils 86 x 68 cm
Signatur, Datierung, Nummerierung: jeweils signiert und datiert rechts unten, nummeriert links unten
Exemplar-Nummer: 24/40
Herausgeber: Ilene Kurtz, New York
Inventar-Nummer: 1002444.1–3

 

Laurie Simmons’ Faszination für Puppen bildet die Grundlage ihrer Arbeit, und so überrascht es nicht, daß ihr dreiteiliges Mappenwerk Ventriloquism (Bauchreden) einer Bauchrednerpuppe gewidmet ist.1 Im Vordergrund der zwei Photogravüren ist ein Bauchredner mit seiner Puppe dargestellt, Doug Skinner mit seiner Puppe Eddie Gray. Ihr Bild wurde vor einer Kulisse aufgenommen, die Simmons aus einem Buch über photographische Tricks zitiert hat.2 Auf der Lithographie erscheint die Bauchrednerpuppe im Close Up, allein und in kräftigen Farben. Sie erinnert an einen Clown, und obwohl lächelnd, wirkt sie durch ihren Blick aus den Augenwinkeln beinahe verschlagen, arglistig. Eben dieser Blick sticht auch auf den Photogravüren hervor, deren Bildraum sich in Vorder- und Hintergrund teilt und daher wie künstlich zusammengesetzt wirkt. Auf einem Blatt scheint der Bauchredner mit seiner Puppe die Idylle der Spaziergänger im Hintergrund zu stören und sie gleichzeitig zu kommentieren. Ähnlich ist der Eindruck des anderen Blattes. Während die auf den Knien des Bauchredners sitzende Puppe den Betrachter frontal anblickt, sieht dieser über seine Schulter nach hinten und verknüpft somit die beiden Bildebenen, ohne daß jedoch ein inhaltlicher Bezug entsteht. Die Szene wirkt beinahe absurd, zumal die abgebildeten Figuren in keinem plausiblen Maßstab zueinander stehen. Wie bei „Alice im Wunderland“ scheint die Figur, die auf dem Handteller steht, magisch geschrumpft zu sein, während das Größenverhältnis der übrigen Protagonisten stimmt. Auf beiden Photogravüren bleibt jedoch unklar, in welcher Beziehung sie zueinander stehen. Ist der Bauchredner ein Kommentator? Bleibt er stiller Beobachter? Nimmt die Frau im Hintergrund ihn wahr, so wie er sie? Merkwürdig ist auch, daß der Bauchredner in Momenten abgebildet ist, in denen er stumm bleibt. Ungeachtet seiner Rolle als Unterhalter und Komödiant scheint er hier eher mit dem Sehen, weniger mit dem Sprechen beschäftigt zu sein, und darüber hinaus zum Sehen der verschiedenen Realitätsebenen zu verleiten. Mit ihren sorgfältig im Studio inszenierten Motiven beziehungsweise kombinierten Bildwelten, oft in düsterer Stimmung, befragt Simmons die Realität dessen, was wir sehen und hören. Lauert nicht überall ein doppelter Boden? Was ist Schein? Was ist Sein?
KATRIN SCHMIDT  

1 Laurie Simmons, im Gespräch mit Jan Seewald, in: Kat. der Ausst. Fantasy and Fiction, Slg. Goetz München 2006, S. 142–153, hier S. 145.
2 Vgl. Kat. der Ausst. Laurie Simmons, The Music of Regret, hrsg. v. Jan Horwart, The Baltimore Museum of Art 1997, S. 49–56 (On Ventriloquism).

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