Sammlung

Leon Polk Smith

* 20. Mai 1906, Chickasha, USA; † 4. Dezember 1996, New York City, USA

Werke in der Städtischen Sammlung Erlangen

  • Werkübersicht 1946–1986, 1987

Beschreibung

Kassette mit zehn Serigraphien auf Creysse-Bütten und Karton
Maße: jeweils 118 x 81 cm
Signatur, Datierung, Nummerierung: jeweils signiert rechts unten, nummeriert und betitelt links unten
Exemplar-Nummer: 33/90
Herausgeber und Verlag: Edition Hoffmann, Friedberg
Text: Lucius Grisebach und Leon Polk Smith
Inventar-Nummer: 1001545.1–10

 

„Ich male weder Politik, Religion noch Philosophie, aber man möge die jeweils eigene in meinen Werken finden.“ Mit dieser Stellungnahme führt Leon Polk Smith in seine Werkübersicht 1946–1986 ein und erläutert zugleich sein künstlerisches Anliegen: „Ich modelliere Raum.“1 Die zehn hierfür ausgewählten Drucke bieten einen Einblick in die Entwicklung seiner Experimente mit Form und Farbe.
Die beiden mit 1947–1987 betitelten Drucke weisen noch deutliche Ähnlichkeit mit Mondrians Konstruktivismus auf, zeigen jedoch auch schon dessen Überwindung. So richtet Smith die Farbflächen nicht mehr an einem starren Gitter aus, sondern entwickelt die schwarzen Begrenzungen zu eigenständigen Elementen weiter. Im zweiten Druck 1947–1987 setzt er eine Kreisform aus Farbflächen zusammen, die stellenweise zu größeren Flächen zu verschmelzen scheinen und eine Rotation vortäuschen. Dieser Effekt ergibt sich aus der Erfahrung, daß größere Gegenstände schwerer sind als kleine, dementsprechend auch die kräftigeren Farben als dichter interpretiert werden, weshalb man damit rechnet, daß der gesamte Kreis kippt. Obwohl die beiden Drucke 1949–1987 ebenfalls aus präzise konstruierten geometrischen Elementen aufgebaut sind, sorgt die innere Logik ihrer Anordnung für Verwirrung. Die schwarzen Hakenformen des einen Druckes erscheinen als Momentaufnahme eines fragilen Gebildes, das jeden Augenblick in sich zusammenstürzen könnte. Die schwarzen trapezoiden Rechtecke des zweiten Druckes versuchen den Blick von dem sie begrenzenden roten Kreis abzulenken und verweisen wieder auf die Gewichtung der dunkleren Farbe, die den Orientierungspunkt des Auges vorgibt. Dieses Verwirrspiel wird in 1952–1987 fortgeführt. Man erkennt zuerst ein schwarzes Gebilde, vor das sich allmählich sein weißes Gegenstück schiebt. Beide Gebilde nehmen den gleichen Raum ein und haben die gleiche Form, negieren also die scheinbare Selbstverständlichkeit des weißen Hintergrundes. Doch Smith experimentiert nicht nur mit der Wertigkeit von Form und Farbe, sondern auch mit ihrer gegenseitigen Beeinflussung. Im Druck 1962–1987 erhält eine orangefarbene Scheibe durch die segmentartige Beschneidung der Unterseite und den schwarzen Hintergrund besondere Leuchtkraft und räumliche Wirkung, was durch die Assoziation mit einem Sonnenauf- oder -untergang noch verstärkt wird. Der Frage, wie Farbe die Form beeinflußt, geht Smith auch in dem Druck 1964–1987 nach. Hier erscheint ein auf seiner Ecke stehendes ungleiches, blau-graues Rechteck in seiner dunklen Farbigkeit schlanker als es ist. Der Druck 1970–1987 vereinigt diese Fragestellungen, denn hier konstruiert Smith mittels der Kurve Räumlichkeit
und mittels der Farbe Bewegung. Dabei dominiert Schwarz, indem die größere, senkrecht nach unten schwingende schwarze Fläche ihren Schwung auf die untere Form zu übertragen scheint und dabei eine Berührung vortäuscht. Wieder lassen sich die Betrachter in die Irre führen.
Die beiden letzten Drucke 1983–1987 und 1984–1987 befassen sich mit Smith ästhetischem Grundsatz, daß schwarze Farben nicht unten plaziert werden dürfen. Dies zeigt er am Beispiel eines anthrazitfarbenen Rechteckes und eines schwarzen, ungleichschenkligen Dreiecks, die den Blick auf sich lenken und damit die ihnen untergeordneten Elemente in Bewegung zu setzen scheinen. Während das rote Dreieck des ersten Druckes abzustürzen scheint, glaubt man zwischen dem schwarzen und dem grünen, ungleichen Rechteck des zweiten Bildes ein Scharnier zu sehen, obwohl sie sich nicht berühren.
Smith beweist in dieser Werkübersicht seine Individualität zwischen „Hard-Edge“-Malerei, Konstruktivismus, Op Art und Pop Art.
VERONIKA BERGER  

1 Richard W. Gassen, Das Gleichgewicht von Farbe, Form und Raum. Künstlerische Gestaltungsprinzipien im Œuvre Leon Polk Smiths 1936–1988, in: Kat. der Ausst. Leon Polk Smith Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen 1989

Künstler von A-Z