Sammlung

Matt Mullican

* 1951 in Santa Monica, USA; lebt in New York City, USA

Werke in der Städtischen Sammlung Erlangen

  • Subjective, 1980
  • Sign, 1980

Beschreibung

Schablonendruck auf Papier, auf Leinwand montiert
Maße: jeweils 152,5 x 106,5 cm
Unikat
Inventar-Nummer: 1003603 und 1001121

 

Matt Mullicans Œuvre reicht von Graphiken bis zu Installationen, doch kreisen alle seine Arbeiten um folgende Fragen: Was bin ich? Was, warum und wie empfinde ich? Was ist Wahrnehmung?1
Diesen zentralen Fragen nach dem Wesen des Menschen geht er auch in den beiden zusammengehörigen Schablonendrucken Subjective und Sign nach. Sie wirken in ihrer Prägnanz zunächst wie Werbeplakate und doch fesseln sie bei genauerem Nachdenken den Blick. Zwei Balken rahmen Subjective oben und unten ein, der obere nennt in schwarzen Lettern auf weißem Grund den Künstler, während der untere in Weiß auf Schwarz den Titel angibt, beide vermitteln dem Betrachter einen Zugang zum Bild. Wie ein Scherenschnitt liegt auf einem roten Grund ein weißes menschliches Profil. Das Gehirn ist ausgespart beziehungsweise es enthält das Rot des Hintergrunds. Der Kopf wirkt somit wie ein Gehäuse, in dem sich das Ich konstituiert, von der Umwelt getrennt, da es abgegrenzt ist, um diese subjektiv wahrzunehmen. Die Gleichfarbigkeit von Hintergrund und Gehirn stellt die Frage, inwieweit die Umwelt auf das Ich einwirkt beziehungsweise das Ich sich seine subjektiv gefärbte Umwelt denkt. Indem Mullican das im Gehirn lokalisierte subjektive Bewußtsein in vitalem Rot, die körperliche Hülle dagegen in Weiß darstellt, verkehrt er die geläufige Farbsemantik.
Ein gedanklicher Austausch mit der Umwelt erfolgt über Zeichen, denn diese, ob in auditiver oder visueller Form, stellen ein intersubjektives Repertoire an Ausdrucksmöglichkeiten zur Verfügung. Nur die Vereinbarung, daß ein Zeichen, Wort oder Symbol auf etwas Bestimmtes verweist, sichert soziales Zusammenleben und bietet dem Ich eine Ebene der Verständigung mit dem Anderen, außerhalb der eigenen engen Beschränkung. Sign zeigt nun das einfachste aller Zeichen, einen Punkt, in Schwarz auf einem weißen Rechteck, dem mittig an der unteren Seite ein kleineres angefügt ist, wodurch es wie ein Schild wirkt. Wiederum trägt das Bild oben den Künstlernamen und unten den Titel, bleibt aber, wie immer bei Mullican, wenn es um rein sprachliche Verständigung geht, farblos. Der Punkt kann mit einer Bedeutung verbunden und zum Zeichen werden, er kann für den Anfangspunkt stehen, für den springenden Punkt oder den Punkt am Ende eines Satzes. Und doch kann das Zeichen ebensowenig wie das Subjektive für sich allein stehen, denn für ein Zeichen braucht es ein denotierendes Subjekt. So sind beide für sich beschränkt und bedürfen der gegenseitigen Erweiterung. Subjective und Sign gehören zusammen und es scheint unmöglich festzustellen, was zuerst kommt. Denn das Wort „Subjective“ besteht aus Zeichen, während das Zeichen („Sign“) ein interpretierendes Subjekt braucht, um ein solches zu werden. Mullicans Piktogramme aus der Zeit der ersten PC-Generation verwickeln den Betrachter mit visuellen Mitteln in grundlegende Fragen der Semiotik.
VERONIKA BERGER  

1 Ulrich Wilmes, Matt Mullican. Works 1972–1992, Köln 1993.

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