Sammlung

Robert Barry

* 9. März 1936 in New York City, USA; lebt in Taeneck, USA

Werke in der Städtischen Sammlung Erlangen

  • Ohne Titel, 1983

Beschreibung

Siebdruck auf Pergament/Bütten (zweiteilige Arbeit)
Maße: 40 x 40 cm
Signatur, Datierung, Nummerierung: Verso signiert und datiert rechts unten (auf Bütten)
Exemplar-Nummer: 3/30
Inventar-Nummer: 1001940

 

Die zweiteilige Arbeit besteht aus einem blauen quadratischen Karton und einem ebenfalls quadratischen Pergament, auf das folgende Wörter abwechselnd in Spiegelschrift beziehungsweise in gewohnter Schreibweise gedruckt sind: in vertikaler Ausrichtung TOGETHER – WISH TO – DOUBTS – SOMEHOW und in horizontaler Ausrichtung OTHERS – NEEDED – REAL – IT WAS. Auf dem Karton ist diagonal von oben nach unten ein Baum mit dünnem Stamm, Geäst und offen liegenden Wurzeln zu sehen. Dabei ist nicht ganz klar, welche Seite das Wurzelwerk und welche Seite die Krone darstellt, da sich beide lediglich im Volumen, nicht aber in der Darstellung unterscheiden. Der Karton wird, um 45 Grad auf eine Spitze gedreht, diagonal unter das Pergament gelegt, so daß die Wörter WISH TO und DOUBTS auf der Achse des Stammes zu liegen kommen.
Es liegt nun am Betrachter, zu entscheiden oder zu enträtseln, wie die Wörter zusammengehören, in welche Richtungen sie zu lesen sind und was sie bedeuten. Die für den ersten Blick wie willkürlich zusammengewürfelten Begriffe scheinen die Arbeit bei genauerem Hinsehen selbst zu erklären. Man kann sich bemühen, das Puzzle zusammenzusetzen, dennoch geht es nicht ganz auf, es scheint mehrere Ebenen zu geben. Zweifel werden geweckt. Was ist hier „realer“? Das Wurzelwerk oder die Äste? Was ist Ursache, was Wirkung? Welche Bedeutung haben die Wörter? Sind sie richtig oder falsch herum geschrieben?
Robert Barry konfrontiert den Betrachter mit der Relation Absenz – Präsenz. Ihm gelingt es, neue Erkenntnisse zur Funktion sprachlicher Zeichen und visueller Formen der Darstellung zu provozieren, indem er materiale Aspekte seiner Kunst zurückstellt (Pergament und Sprache) und den Betrachter statt dessen auf einen neuen Weg (Stamm) gelangen läßt, der ihn in verschiedene Denkrichtungen führen kann (Äste oder Wurzelwerk). Das Blau – als Farbe der Ferne – könnte für die Freiheit der Vorstellung stehen.
„Barry hebt Fragmente der Sprache aus ihrem syntaktischen Kontext, um sie als visuelles Material zu benutzen. Die logisch/zeitliche Syntax wird ersetzt durch die ästhetisch/räumliche Syntax, Sprache somit freigestellt für einen anderen Gebrauch, ein Vorrat von Signifikanten, Wörter verlieren ihre Eindeutigkeit und werden suggestive Zeichen, in einem direkt sinnlichen Zusammenhang.“1
Das vorliegende Werk ist ein besonderes Beispiel für Barrys konzeptuelle Arbeitsweise, insofern der Künstler hier die vermeintliche Eindeutigkeit von Signifikat und Signifikant, Bezeichnetem und Bezeichnendem, im wahrsten Sinne des Wortes „durchkreuzt“.
MELANIE BOLLMANN

1 Franz Kaiser, Fragments of language as visual material, in: Kat. der Ausst. Robert Barry, Haags Gemeentemuseum, Den Haag 1990, S. 20.

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