Sammlung

Robert Indiana

* 13. September 1928 in New Castle, USA; lebt auf Vinalhaven, USA

Werke in der Städtischen Sammlung Erlangen

  • Mozart, 1971

Beschreibung

Siebdruck auf Karton
Maße: 65 x 55 cm
Signatur, Datierung, Nummerierung: signiert und datiert rechts unten, nummeriert links unten
Exemplar-Nummer: 90/250
Inventar-Nummer: 1001399

 

Robert Indiana unterscheidet sich von den meisten Pop Art-Künstlern seiner Zeit, die wieder zur gegenständlichen Kunst zurückkehrten, durch seinen Versuch, Abstraktes bildhaft darzustellen. Es geht ihm darum, eine Interpretation eines Themas zu liefern, die zum Nachdenken reizt. Mozart ist in dieser Hinsicht eine für ihn typische Arbeit, hebt sich aber dennoch von seinem übrigen Œuvre ab.1
Obwohl Indiana gerne Variationen eines Motives anfertigt, liegt Mozart nur in einer Fassung vor. Auch hier greift er zu der für ihn typischen, untergliederten Kreisform auf rechtwinkligem Grund, überschreitet jedoch die Grenzen des Kreises, indem er den Titel darunter setzt und damit den Bildraum ausweitet. Der Innenkreis besteht aus insgesamt zehn geometrischen Elementen: fünf großen und drei kleinen gleichwinkligen, fünfzackigen Sternen, und einer Mondsichel auf dem dunkleren Grund des Vollmondes. Dieses Motiv der zweimal fünf Elemente wiederholt sich im Außenkreis in Form von fünf Sternen und ergibt zusammen mit der Überschrift „EINE KLEINE NACHTMUSIK“ eine Variation des zentralen Themas. Der in der Mitte noch scheinbar willkürlich angeordnete Nachthimmel wird am Rand zuerst auf eine geringere Anzahl von Symbolen und dann allein auf Schrift reduziert. Alle Elemente zeichnen sich durch strenge Form- und schlichte Farbgebung aus.
Obwohl Indiana mit diesem Siebdruck an Mozart erinnern will, wie die ihm auch sonst eigentümliche Zahlenspielerei mit dessen Todesdatum (1791) und dem Entstehungsdatum des Werkes (1971) zeigt, wirkt die Graphik sehr streng, plakativ wie ein militärisches Abzeichen. Die Gestaltung der Sterne ist identisch mit der der amerikanischen Flagge und auch ihre Farben werden zitiert. Zugleich bestimmt die Schrift auf dem Außenkreis, die an militärische Beschriftungen erinnert, die Wahrnehmung des Innenkreises.
Will Indiana Mozart nun zum Fünf-Sterne-General im Musikerhimmel erklären? Will er zeigen, daß die Künste der Gefahr einer Instrumentalisierung ausgesetzt sind? Oder will er sie als eine Vereinigung proklamieren, die dem Militär vorzuziehen sei, gemäß dem Motto „Make music not war“?
VERONIKA BERGER  

1 Kat. der Ausst. Robert Indiana, Druckgraphik und Plakate. 1961–1971. Stuttgart/New York 1971 (Wv.-Nr. G 39).

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