Sammlung

Walter Dexel

* 7. Februar 1890 in München; † 8. Juni 1973 in Braunschweig

Werke in der Städtischen Sammlung Erlangen

  • Mappe 1, 1968

Beschreibung

Mappe mit sechs Siebdrucken
Maße: jeweils 58 x 42,5 cm
Signatur, Datierung, Nummerierung: jeweils signiert und datiert rechts unten, nummeriert auf dem Deckblatt
Exemplar-Nummer: 16/120
Druck: Adolf Pilz, Braunschweig
Herausgeber: Edition Panderma, Carl Laszlo, Basel
Inventar-Nummer: 1001261.1–6
Abbildungen: Blatt 1 - 4

 

Walter Dexel gehörte zu den herausragenden Persönlichkeiten des Konstruktivismus zwischen den beiden Weltkriegen. Er hatte sich nicht etwa aus einem spontan-aktuellen Entschluß heraus einer damals als progressiv erkannten Kunstrichtung angeschlossen; sein Konstruktivismus stand vielmehr am Ende einer langjährigen Entwicklung. Sein künstlerisches Werk entwickelte er vom Architekturbild zur Bildarchitektur. In einem figurativen Konstruktivismus spielte bei ihm schon früh die Diagonale eine besondere Rolle.
In einer Serie von Signet-Köpfen hatte er Protagonisten der 1930er Jahre knapp und markant ins Bild gebracht. Bei aller zeittypischen Abstraktion, die eine Methode des fließbandmäßigen Stereotyps benutzte, stattete er sie doch mit individuellen Profilen aus.
Die Malerei hatte Dexel 1935 zunächst aufgeben müssen, weil er von den Nationalsozialisten als Leiter der Klasse für Gebrauchsgraphik an der Magdeburger Kunstgewerbeschule entlassen wurde. Erst 1961 nahm er seine künstlerische Arbeit wieder auf und begann zunächst Skizzen der 20er Jahre in Bilder und Druckgraphiken umzusetzen. In seinen Arbeiten ging es ihm vor allem darum, Bewegungen und Spannungen durch Harmonie und bildnerische Ordnung in die Fläche zu bannen.1
In der Serie der sechs Siebdrucke kombinierte er geometrische Elemente in den Grundfarben Rot, Gelb und Blau sowie Schwarz und Weiß. Unterschiedlich starke Linien, Kreise und Kreissegmente liegen in rechteckigen Flächen senkrecht, horizontal oder diagonal zueinander. In jedem Blatt variiert Dexel Farbe, Anzahl und Zusammenstellung der Bildelemente. So entstehen unterschiedliche „Charaktere“, deren Gemeinsamkeit nur in der Verwendung der Farbe Rot und der weißen Linien zu sehen ist. In einem der Bilder liegt eine vieleckig verwinkelte weiße Form ohne Randberührung in einer schwarzen Fläche. Die Komposition wirkt geschlossen und das Gebilde scheint in der Fläche zu schweben. In einer anderen Darstellung verlaufen verflochtene breite und schmale Linien von einem Knotenpunkt aus vertikal und horizontal bis an den Rand des Bildes. Einige Streifen sind farbig, andere sind weiß wie der Karton, als würde das Umfeld durch Öffnungen in das Bild eindringen und von diesem auch einbezogen. Die gleichsam charakterlich differenzierten Kompositionen lassen an Individuen in ihrer jeweils eigenartigen Wahrnehmung und Interaktion mit der Umwelt denken.
In seiner Tätigkeit als Typograph, Innenarchitekt, Bühnenbildner und Städteplaner hat Dexel in ganz anderer Weise auf die Lesbarkeit der Formen und Farben geachtet. Die konstruktivistischen Prinzipien der Gestaltung sah er als Grundlage für eine Neuformung des gesamten menschlichen Umraums. In seinen Beiträgen zur urbanen Gestaltung machte er zukunftsweisende Vorschläge zur Strukturierung städtischer Straßennetze und setzte sich für eine graphisch und semantisch logische sowie visuell schnell erfaßbare Gestaltung der Verkehrszeichen ein.2
SVEN KÜNZEL  

1 Walter Vitt, Walter Dexel. Werkverzeichnis der Druckgraphik 1915–1971, Köln 1971, S. 8.
2 Vgl. Peter Winter, Bilder Zeichen Raum, in: Weltkunst, 1991, 2, S. 412–414, hier S. 412.

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