Sammlung

Wolf Vostell

* 14. Oktober 1932 in Leverkusen; † 3. April 1998 in Berlin

Werke in der Städtischen Sammlung Erlangen

  • Fernsehverwischung, 1966

Beschreibung

Siebdruck auf Karton
Maße: 59,4 x 41,8 cm
Signatur, Datierung, Nummerierung: signiert und datiert rechts unten, nummeriert links unten
Exemplar-Nummer: 20/65
Inventar-Nummer: 1001699

 

„Verwischen um klar zu sehen“,1 so lautet ein Prinzip in Wolf Vostells Werk. Der in Violett- und Türkistönen gehaltene Siebdruck zeigt im Hintergrund das verzerrte Schwarz/Weiß-Bild eines Kopfes, der durch die Verwischung der Farben fast unkenntlich wird. Den Titel Fernsehverwischungen zitierte Vostell aus einem Buch über technische Fehler aus der Frühzeit dieses Bildmediums (1959).2 Er übernahm aus diesem Buch auch das Photo eines TV-Bildes in seinen Siebdruck. Die dargestellte Person verschwimmt mit dem elektronischen Flimmern des Gerätes und löst sich in einzelne Bildpunkte auf. Zudem werden einige Farboberflächen durch Strichellinien getrennt oder eingekreist. Vostell zeigt in seinem Druck nicht das offensichtliche Abbild, das das Medium Fernsehen scheinbar automatisch mit sich bringt, er möchte dem Betrachter statt dessen einen Blick auf das Medium selbst vermitteln.
Um seinen Grundgedanken zu erfassen, ist ein kurzer Exkurs zur Fernsehgeschichte aufschlußreich: Die Einführung des Farbfernsehens im Jahr 1967 in Deutschland war ein Meilenstein. Im Zuge dieser Entwicklung kam es zu einer industriellen Massenproduktion von Monitoren für breite Bevölkerungsschichten. Ein vergrößertes Programmangebot förderte den Fernsehkonsum, veränderte diesen aber auch, insofern nun weniger die Information, sondern vielmehr die Unterhaltung ausgewählt wurde. Fernsehgeräte waren für Vostell faszinierende technische Apparate, die aber auch als ein Instrument der Manipulation genutzt werden konnten.3 Er sah in ihrem Gebrauch die eigentliche Wahrnehmung der Rezipientenentfremdet.
Vostell wandelte das Fernsehbild deshalb ab, um es in der Verwischung klar zu sehen. So wird deutlich, daß das Medium dem Zuschauer eine schon aufbereitete Wirklichkeit darbringt.
Der Künstler macht durch mechanische Eingriffe wie Verwischen, Verdecken, Verzerren, diese mediale Ebene der Wirklichkeitserscheinung kenntlich.
ANNETTE MELBER  

1 Wolf Vostell, Happening und Leben. Neuwied/Berlin 1970, S. 323.
2 Kat. der Ausst. Wolf Vostell. Papierarbeiten, hrsg. v. Rolf Wedewer, Rheinisches Landesmuseum Bonn, Heidelberg 1992, S. 188.
3 Wolf Vostell, Elektronisch, Hrsg. Neue Galerie im Alten Kulturhaus, Aachen 1970, o. S.

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